Seidenarten

Als “Seide“ werden eine Reihe von natürlichen Materialien bezeichnet. Diese wird zuerst nach ihrer Herkunft – namentlich dem herstellenden Tier – unterschieden. Am bekanntesten sind wohl sicher die Maulbeerseide oder die Tussahseide (oft auch als Wildseide bezeichnet). Es gibt aber auch andere seidenspinnende Tiere – sogar eine Muschel, welche die sehr seltene und kostbare Muschelseide herstellt.

Maulbeerseide, Haspelseide

Maulbeerseide wird durch den Maulbeerseidenspinner ( Bombyx mori) hergestellt. Diese Insekten bei denen es sich um eine Art Schmetterling aus der Gattung der Schuppenflügler handelt, kommen ausschließlich domestiziert, d.h. von Menschen gehalten vor. Die Raupe des Maulbeerseidenspinners wird ausschließlich mit den Blättern des Maulbeerbaums gefüttert - und kommt nur in menschlicher Obhut vor.  Maulbeerseide wird dann aus den Kokons dieser Tiere gewonnen, in welche sich die Raupen des Maulbeerseidenspinners zur Verpuppung einspinnen. Das fantastische dabei ist, dass der Maulbeerseidenspinner hierfür mit einem einzelnen Endlosfaden arbeitet – den man dann bei der Seidenherstellung gewinnen kann.

Zur Seidenherstellung werden die Kokons heiß eingeweicht (damit sich der Seidenleim, der den Faden verklebt löst) und der Faden dann abgewickelt. Jeweils 5 – 8 Kokons zusammen ergeben dabei dann einen endgültigen Faden. Der verwendbare (zusammenhängende) Seidenfaden eines Kokons erreicht dabei Längen von 300 – 500 m. Es wird aber auch von Längen über 1 km (!) berichtet!

Bei diesem Verfahren erhält man einen extrem feinen und einheitlichen Faden, was daher rührt, dass ein “Verspinnen“ -wie bei allen anderen Naturfasern– nicht erforderlich ist. Diese Seide wird lediglich aufgehaspelt, weshalb sie auch Haspelseide heißt. Maulbeerseide ist bereits von Natur aus weich, sehr weiß und glänzend. Je stärker dabei der Seidenleim (auch Bast genant) entfernt wird (auch entbasten genannt) desto weißer und glänzender ist der fertige Seidenfaden. Sie ist, wenn der Prozess der Herstellung beherrscht wird, die feinste und glänzendste (und auch teuerste) Seide.

Kehrseite der Medaille ist bei diesem Verfahren, dass man einen zusammenhängenden Seidenfaden nur erhalten kann, wenn man das Ausschlüpfen des Seidenspinners aus dem Seidenkokon verhindert. Dies geschieht z.B. durch Trocknen, Abkochen oder Mikrowellen der 10 Tage alten Kokons, wobei die Tiere getötet werden. 

Maulbeer – Haspelseide gilt als die hochwertigste aller Seiden – wenn man von der lediglich in historischen Zeiten produzierten kostbaren Muschelseide mal absieht...

 

Aus den Kokons des Maulbeerseidenspinners werden außer Haspelseide auch noch Schappeseide und Bouretteseide gewonnen.

Schappeseide und Bouretteseide

Bei der Haspelseidenherstellung bleiben immer ca. 50% des Kokons als nicht haspelfähig übrig. Dies sind vor allem die Außenseite und die Innenseite. Hier sind die Fäden oft verworren und nicht fortlaufend, so dass sie nicht abgewickelt werden können. Auch Kokons, aus denen der Seidenspinner bereits ausgeschlüpft ist sind nicht haspelfähig, da der Faden an der Ausschlüpfstelle zerstört ist. 

Diese Stücke bestehen chemisch gesehen aus den gleichen Bestandteilen wie die hochwertige Haspelseide, dennoch wird hierbei oft von “Seidenabfällen“ gesprochen ( was das Material aber schlechter klingen lässt, als es ist). Diese Kokons und Kokonreste werden aufbereitet und dann wie alle übrigen Naturfasern (die ja nie als Endlosfaser vorliegen) versponnen (weshalb man hier auch von Spinnseide spricht). Schappeseide wird dabei aus mittellangen Fasern bis 15 cm gewonnen. Im Vergleich zur Haspelseide ist sie nicht so hochglänzend, aber flauschiger (weicher).

 

Bouretteseide wird aus den kürzesten Faserstücken gesponnen - oft das was bei der Schapeeseidenherstellung übrigbleibt. Sie enthält Reste des Seidenleims, was sie rauer und matt macht. Produkte aus Bouretteseide haben oft eine noppelige Struktur. Bouretteseide wird gelegentlich als minderwertige Qualität dargestellt. Durch den Anteil von Seidenleim wird ihr aber auch eine entzündungshemmende und heilende Eigenschaft für gereizte, nässende oder ekzematische Hautstellen nachgesagt. Sie wird daher fast schon standardmäßig in heilenden Windeleinlagen für Babys mit Windelekzem oder als Stilleinlagen gegen entzündete Brustwarzen von vielen Naturwarenherstellern eingesetzt.

Tussahseide, Wildseide

Bei Wildseide dachte ich immer, dass das etwas ganz “Tolles“ sein muß – so wie ja Wildlachs vielleicht auch besser ist als der normale gezüchtete und Walderdbeeren besser schmecken als die gekauften... 

Eigentlich ist Wildseide aber nur die Seide von wildlebenden Seidenspinnern, wie z.B. dem Tussahspinner. Da der echte Maulbeerseidenspinner bereits seit Jahrtausenden gezüchtet wird, ist es auch nicht verwunderlich, dass sein "wilder" Verwandter, der Tussahspinner, einen gröberen und natürlich gold-gelb gefärbten Seidenfaden liefert. Dieser hat auch eine weniger feine und gleichmäßige Struktur als die echte Maulbeerseide - ist also keineswegs von vorne herein als besser zu betrachten.

 

Zur Herstellung von Tussahseide werden die Kokons des Tussahspinners - der in vielen Teilen Asiens wild vorkommt - gesammelt und weiterverarbeitet. Im Normalfall handelt es sich dabei um Kokons, aus denen die Schmetterlinge bereits ausgeschlüpft sind, wodurch die Fadenstruktur unterbrochen wird. Tussahseide oder Wildseide ist daher auch Spinnseide, so wie bei der Schappe- und Bouretteseide beschrieben, oder wird als Füllvlies z.B. für Seidensteppdecken verwendet.


Natürlich hat auch Tussahseide ähnliche Eigenschaften wie die Maulbeerseidenprodukte. Die gesponnenen Fäden sind jedoch dicker und nicht so glänzend. Die Farben sind nicht so intensiv. Auf Grund des Herstellungsverfahrens ist es auch verständlich, dass Wildseide billiger ist, als Maulbeerseide.

Andere Seidenarten und Seidenprodukte

Rund um die Seide tauchen noch viele weitere Begriffe auf, die Seidenarten, Ausgangsstoffe oder auch Seidenprodukte in verschiedenen Spinnarten oder Webarten bezeichnen. Dieser Beschreibung der Seiden - Begriffe  wird daher von Zeit zu Zeit noch ergänzt werden....

Noileseide

Dupionseide

 

 

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aktualisiert 24.09.08 www.antiquariat-daniel-mueller.de